Titel- und Konzeptänderung!
Nach dem ich mir ein paar Tage Bedenkzeit genommen habe, bin ich zu dem Schluß gekommen, dass ich mein Blogkonzept modifiziere. Angesichts der aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen in diesem Land, wird es Zeit eine alte Tradition aufleben zu lassen: Das kritische Denken!
Was ist Kritik?
Laut Fremdwörterduden (Duden Band 5, 6. überarbeitete und erweiterte Auflage; 1997) bedeutet Kritik die wissenschaftliche Beurteilung, Begutachtung, bzw. Bewertung einer wissenschaftlichen, künstlerischen, literarischen “Leistung” (Leistung meint hier also das wissenschaftliche, künstlerische oder literarische Produkt!).
Was ist Kritische Erziehungswissenschaft?
Polemisch ausgedrückt: Die Art von Erziehungswissenschaft, die heute nach den “Hochschulreformen” nicht mehr erwünscht ist. Laut Krüger/Helsper (Hrsg.): Einführung in die Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft ist Kritische Erziehungswissenschaft, die 3. zentrale Richtung der Erziehungswissenschaft neben der sog. geisteswissenschaftlichen und empirischen. Sie dominierte für ein gutes Jahrzehnt den theoretischen Diskurs. ” Beeinflußt durch die politischen Impulse der Studentenbewegung sowie angeregt durch die sozialphilosophischen/soziologischen Arbeiten der “Frankfurter Schule” (Horkheimer, Adorno) versuchte sie das Erziehungsdenken innerhalb gesellschaftlichen Wandels und sozialwissenschaftlichen Methoden zu reflektieren.” (S. 58)
Erziehung muß also immer innerhalb historisch-gesellschaftlicher Prozesse gedeutet werden. Und Erziehung ist niemals wertfrei! Das heißt, dass die gesellschaftskritische Analyse von sozialen Entstehungs- und “Verwertungszusammenhängen”, die empirisch erhoben werden, zur Aufgabe von Wissenschaft gehört. Dazu gehört die Einbeziehung von politischen und ökonomischen Bedingungen in pädagogischen Aussagen um das dialektische Emanzipationskonzept (d.h. individuelle und gesellschaftliche Emanzipation) zu betonen.
Was ist Emanzipation?
Laut dem unten zitierten Wikipediaeintrag
stammt Emanzipation von dem lateinischen emancipare: einen „Sklaven oder erwachsenen Sohn“ aus dem mancipium, der „feierlichen Eigentumserwerbung durch Handauflegen“, in die Eigenständigkeit zu entlassen. Im 17./18. Jahrhundert erfolgte eine Bedeutungsverschiebung: Aus dem Akt des Gewährens von Selbstständigkeit wurde eine Aktion gesellschaftlicher und insbesondere politischer Selbstbefreiung; Ziel emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit oder Gleichheit, meist durch Kritik an Diskriminierung oder hegemonialen (z. B. paternalistischen) Strukturen, oder auch die Verringerung von (z. B. seelischer, ökonomischer) Abhängigkeit, etwa von den Eltern. Häufig steht der Begriff synonym für die Frauenemanzipation.
Oft bezeichnet Emanzipation die Befreiung von Gruppen, die aufgrund ihrer Rasse, Ethnizität, Geschlecht, Klassenzugehörigkeit usw. diskriminiert und von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen waren (z. B. Judenemanzipation – siehe unten – oder Katholikenemanzipation). Für diesen weiteren Begriff politischer Emanzipation hat sich im US-amerikanischen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung empowerment (wörtl. „Ermächtigung“) durchgesetzt.
Meine Beobachtungen in den letzten beiden Jahren bezüglich erziehungswissenschaftlicher, bildungs- und soziaolpolitischer Entwicklungen lassen den Verdacht aufkommen, dass Erziehungswissenschaft nur noch dazu da ist, sich neue Konditioniereungstechniken zur sozialen Kontrolle der Kinder (Schüler, Studenten, Azubis) auszudenken und diese durch Leistungsschikanen vom eigenständigen und kritischen Denken abzuhalten. Das fängt bei der Enwicklung von Schulmaterialien von PR-Agenturen an und geht bis zur aktuellen “Hochschulreform”. Das ist alles andere als Emanzipation, Partizipation und Befähigung zur Selbständigkeit.
Diesen polemisierten Thesen werde ich nun hier auf meinem Blog systematisch nachgehen. Dabei werden mir wissenschaftliche Literatur und abgesicherte Internetquellen helfen. Als sehr gute kritische Einführung in das Thema empfehle ich:
Freek Huisken: Erziehung im Kapitalismus, VSA-Verlag 2001.

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