Ich beginne (nach einer langen Pause) mit einem schönen Zitat:
“Die OECD sagt, die PISA-Studie habe gezeigt, dass unser Bildungssystem marode ist – und nahezu alle sagen es nach, ohne zu überprüfen ob es stimmen kann, dass unsere Schüler schlechter seien als bspw. die in den USA. (….) Gedanken nachzusagen hat einen großen Vorteil: Man ist nie alleine und man ist nur selten in der Verlegenheit das, was man behauptet, begründen zu müssen.” Albrecht Müller (Hervorhebungen von mir)
Warum finde ich dieses Zitat schön?
1.) Ganz profan: Ich finde den Stil von Herrn Müller (siehe www.nachdenkseiten.de) toll und ich möchte irgendwann auch so gut schreiben können wie er, ganz ehrlich.
2.) Die OECD ist eine Wirtschaftsorganisation, genauer: Organisation for Economic Co-Operation and Development. Ihr Sitz ist in Paris. Oder auf deutsch: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ihre Ziele sind “Wirtschaftswachstum” und “Ausweitung des Welthandels”. Warum erwähne ich das? Ganz einfach: Ich habe ein Interesse daran zu wissen, w e r in unserem (sowieso schon verkorksten) Bildungssystem rumpfuscht! Und was noch wichtiger ist: Warum er/sie/es das tut.
3.) Hier nun die alles entscheidende Kernfrage: Was um himmelswillen hat so eine Organisation mit Bildung zu tun?
Ich beantworte mir meine Frage so:
Schauen wir in die Geschichte, so findet der belesene und eifrige Pädagoge einen “historischen Konflikt” und lernt dabei: Bildung war schon immer gefangen zwischen den verschiedenen Interessensgruppen Wirtschaft, Staat und Öffentlichkeit. Die klassischen Bildungstheorien jedoch wurden seit dem 17.-18. Jhr. zwischen reiner ökonomischen Verwertbarkeit von Humanressource (ja, ich weiß, das ist ein schreckliches Wort) und der Idee der Mündigkeit und Emanzipation des Menschen entwickelt. Hieraus entstand ein Konflikt von einerseits “allgemeinen Menschenbildung” und einer (eher) “beruflichen Spezialbildung” andererseits. (Zitat: “Soll Bildung das Individuum zur Mündigkeit und Emanzipation befähigen, oder soll sie nur die Produktion nützlicher und verwertbarer Kenntnisse als ihr Ziel bestimmen? Soll Bildung der allseitigen Entfaltung der im Menschen vorhandenen Anlagen dienen, oder soll sie lediglich den Qualifikationsbedarf einer Gesellschaft einlösen?” aus: Armin Bernhard: Pädagogishes Denken; 2. überarbeitete Aufl.; Baltmannsweiler 2007. S. 57).
Die OECD als eine internationale Wirtschaftsorganisation entwirft also eine großangelegte durchaus repräsentative, vergleichende Studie, in der “Skills” getestet werden……. und das soll dann belegen, dass unser Bildungssystem im Vergleich marode ist, sprich nicht wettbewerbsfähig, wie es so schon auf neudeutsch heißt……………also eigentlich möchte ich keine wettbewerbszugerichteten Kinder bekommen, sondern glückliche…………?????
Wenn die OECD schon im Bildungsbereich was reißen will, soll sie sich um das kümmern, wofür sie da ist: Förderung der beruflichen Weiterbildung in internationalen Unternehmen und zwar nur da!